Archiv des MonatsJuli, 2009

Wahrheit über Silvio Berlusconi

Darum schwingt in dem Nachnamen Berlusconi auch immer schon etwas Größeres mit an, quasi semantisch von Haus aus, ganz unabhängig von der eher geringen Körpergröße. Doch Vorsicht. Die Regel hat keine automatische Veränderungskraft. Ein „Santone“ ist kein großer, sondern nur ein selbst erklärter Heiliger. Mammone ist keine Riesenmutter, sondern ein groß gewordener Muttersohn (die es in Italien reichlich gibt). Und ein „Aquilone“ ist deshalb auch nicht einfach ein „großer Adler“ (ital.: Aquila), wie die Endung nahelegt, sondern ein Drachen.

Das hat in den letzten Tagen hier manche zu Wortspielen angeregt. So machte der „Corriere della Sera“ nach dem Gipfeltreffen der G-8-Staaten in dem vom Erdbeben bedrohten L’Aquila die letzte Sonntagsausgabe mit einem Cartoon ihres Karikaturisten Giannelli auf, der einen hüpfenden kleinen Silvio (Berlusconi) zeigte, der hinter sich her einen riesigen Drachen mit ausgebreiteten Armen an einer Leine durch den Sommerhimmel zog, einen „Aquilone“ also, jedoch mit der flatternden gepunkteten Krawatte und den Gesichtszügen des italienischen Premierministers. Im Hintergrund erhob sich dazu die Ruinenkulisse L’Aquilas vor einem Trümmerhaufen aus den sechs Buchstaben P, A, R, O, L und E (zusammengenommen, auf Italienisch: Wörter).

Wie gut beobachtet. Denn tatsächlich ist es Silvio Berlusconi in der letzten Woche gelungen, sich elegant aus einem wahren Trümmerfeld von Anschuldigungen unter Bergen wortreicher Verdächtigungen zu lösen, die ihn in den Wochen davor wie einen kleinen Gulliver am Boden gehalten und paralysiert hatten. Das Gipfeltreffen hat er genutzt, sich wieder einmal von allen Fesseln zu befreien und vor allen anderen Politikern Italiens neu in Szene zu setzen.

Der G-8-Gipfel rettete Berlusconi

Davor war ein Trommelfeuer der Kritik auf denselben Premier heruntergegangen, seiner „Mädchen“ wegen, auch der Klagen seiner scheidungswilligen und frustrierten Gattin und einiger Hostessen, die reihenweise über Partys aussagen wollten, zu denen sie in einer der Villen des Regierungschefs eingeladen worden waren. Jetzt aber wurden selbst seine lautesten Gegner plötzlich still, als sie ihren Regierungschef mit Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel scherzen sahen. Sogar der kritische Präsident der Republik bescheinigte Silvio Berlusconi nun öffentlich: „Der Gipfel war ein Erfolg für Italien und für den Premier.“ Gern nahm Giorgio Napolitano diesen Erfolg zum Anlass, um überhaupt wieder ein „zivileres Klima“ anzumahnen und eine „Periode des Aufatmens zwischen Regierung und Opposition“.

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